Wie geht es Euch in C-Zeiten?

Ein Freund und Kollege hat in einer Mail geschrieben: „Ich hoffe, es geht Euch gut in C-Zeiten“. Natürlich weiß derzeit jede und jeder spätestens ab dem Teenie-Alter, was mit C-Zeiten gemeint ist. Alle Welt spricht nur noch vom Corona-Virus, dieser Pandemie, die uns alle verstört, krank machen und Leiden hervorrufen kann. Die Nachrichten sind verständlicherweise voll davon. Wenn ich andere Nachrichten im Netz lesen will, muss ich schon ganz schön scrollen. Schafft Ihr es, auch andere bedeutende Nachrichten zu lesen und zu hören und Eure Aufmerksamkeit zu weiten?

Ich schaffe es nur manchmal. Ich bin dazu übergegangen, bestimmte Nachrichten nur noch reduziert zu lesen und zu hören, insgesamt Reize zu reduzieren. Ich will aus der Nummer rauskommen, wenigstens zeitweise, die Bodenhaftung behalten, mindestens einigermaßen schlafen, etwas für meine Umwelt und mich tun. Gleichzeitig benötige ich natürlich wichtige Informationen.

Gibt es Auswege aus dem Dilemma?

Ja, es gibt zum Beispiel Auswege im Wort. Dieser Ausdruck „C-Zeiten“ hält die Belastungen ein wenig von uns weg. Und ich glaube, wir brauchen Worte und Geschichten, die uns immer auch mal wegführen. Und es gibt Worte, die anderen ein wenig Mut machen, die sie aus ihren Beklemmungen und Ängsten herausführen können. Reden wir miteinander! Gestehen wir uns Schwächen und Ängste, gestehen wir uns aber auch unsere Hoffnung und Liebe.

Und es gibt Auswege in Taten. Zum Beispiel Gesten der Zuneigung. Mein fünfjähriges Patenkind hat ihren Nachbarn kleine selbst erstellte Geschenke über den Gartenzaun gereicht und ich durfte sie dabei begleiten und in gerührte Gesichter schauen. Und das Kind hat herausbekommen, dass sie ihre Sachen, die sie nicht mehr braucht, einfach weitergeben und auch verkaufen kann. „Wenn das Corona-Viech weg ist, mache ich wieder Markt.“ Ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft. Haben wir den Mut der Kinder!

Und in Organisationen? Da brauchen wir das gleiche. Auswege in Worten und Taten. Miteinander sein, wenn auch auf Abstand. Belasteten und kranken Menschen Beistand geben. Durchhalten, so gut es geht. Beim Meistern schwieriger Situationen auf die Stärke aller Mitarbeitenden vertrauen und auch möglichst Verantwortung teilen. Und auch hier: Fehler und Schwächen, aber auch Stärken gegenseitig zeigen und sich Mut machen.

In der letzten Teamsitzung habe ich erzählt, dass mein Lieblingstier die Giraffe ist. Weil sie so anmutig und geschmeidig daher geht oder läuft, aber vor allem, weil sie den Überblick hat. Ich habe aber auch gesagt, dass die Giraffe auch nicht sehen kann, was hinter dem dichten und hohen Wald kommt und die Ungewissheit immer da ist und da sein darf.

Lasst uns Auswege in Worten und Taten finden.

Lasst uns neue Wege gehen.

Oder lasst uns Wege neu gehen.

Titelfoto: Jenny Versteegen

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