Mitarbeitergespräche adé

Schild auf dem steht: Vorsicht. Freilaufender Chef. Wenn Chef kommt, auf den Boden werfen und auf Hilfe warten! Wenn keine Hilfe kommt.... Pech gehabt!

Fast jeder von uns kennt einen Chef. Und oft wünschen wir uns, dass er nicht frei herum läuft sondern berechenbar ist. In den meistens jährlich stattfindenden Mitarbeitergesprächen wünschen wir uns auch keinen Chef, der macht, was er gerade will. Mitarbeitergespräche? Das sind oftmals Gespräche, die zur Beurteilung der Mitarbeitenden dienen. Nur manchmal geht es auch um deren Weiterentwicklung. Um den Chef oder die Chefin geht es dabei fast nie. Es sind ja schließlich auch Mitarbeitergespräche.

Fast jeder von uns kennt diese Gespräche, die zwischen Leitung und Mitarbeiter*in stattfinden. Und viele von uns haben mal erlebt, dass diese Gespräche Unwohlsein und Anspannung ausgelöst haben und oftmals zu nichts geführt haben. Also: Schaffen wir sie ab!

Zum Einstieg in dieses Thema ein Gespräch zwischen den beiden Freundinnen Mona und Steffi. Die beiden treffen sich in der Mittagspause. Mona hat gleich das Jahresgespräch mit ihrem Chef. Sie ist schon ganz nervös.

Mona: „Oh, nein. Gleich ist es soweit. Drück mir die Daumen.“

Steffi: „Wovor hast Du Panik? Du bist meine Freundin. Natürlich drücke ich Dir die Daumen.“

Mona: „Du weißt doch. Ich habe heute Mitarbeitergespräch. Es ist schon wieder ein Jahr rum. Wie ist er wohl heute drauf?“

Steffi: „Ach, ja. Du Arme. Aber mit einem kannst Du Dir sicher sein: Das wird dann protokolliert und damit ist dieses Gespräch vergessen.“

Mona: „Vergessen? Nein, nein. Bei Dir ist es vielleicht vergessen. Dein Chef ist ja anders. Aber mein Protokoll holt meiner im nächsten Jahr garantiert wieder raus. Er schreibt für mich Ziele rein.“

Steffi: „Ach. Und welches Ziel zum Beispiel?“

Mona: „Na ja, ich soll an meinem Zeitmanagement arbeiten. Strukturierter sein. Wenn es gut kommt, bekomme ich ne Fortbildung zum Thema gesponsert.“

Steffi: „Ah, ok. Meine Jahresgespräche finden gar nicht regelmäßig statt. Zuletzt war es vielleicht vor zwei Jahren. Aber ich bin nicht böse drum.“

Mona: „Ja, ich wäre auch nicht böse drum.“

Steffi: „Warum heißt eigentlich das Gespräch Mitarbeitergespräch und nicht Mitarbeiter*innengespräch? Ist das nicht absolut überholt?“

Mona: „Ich weiß nicht, ob Du das mit dem Gendern nicht übertreibst. Aber überholt ist das irgendwie alles.“

Steffi: „Ja, und ich übertreibe nicht. Sind diese Gespräche nur für Männer? Oder sind sie männlich dominiert? Geht es nur um Zahlen und Ziele oder auch um Befinden und Empfinden? Geht es um eine Vereinheitlichung oder wird Vielfalt gepflegt? Verteilt der Chef Druck oder darf ich auch mal Fragen an die Leitung stellen und sagen, wie sie auf mich wirkt?“

Mona: „Du redest Dich ja richtig in Rage. Jetzt wird es mir noch übler. Aber Du hast schon recht. Bei einem Bekannten von mir heißen diese Gespräche Personalgespräche. Eine nette Assoziation dazu: Bodenpersonal. Eine nicht so nette: Personaleingang. Oder Dienstboteneingang? Unglaublich, oder?“

Steffi: „Sollte man diese Gespräche nicht ganz abschaffen? Wenn man immer mal wieder sprechen würde, wäre das vielleicht gar nicht notwendig. Wenn der Chef einfach zwischendurch mal aus seinem Büro käme, wenn er zuhören würde.“

Mona: „Ach ja, ich finde grundsätzlich schon, dass man solche Gespräche zum Austausch grundlegender Fragen braucht. Dass man gemeinsam überlegt, was sich verändern könnte oder sollte. Im Alltagsgeschäft sind Gespräche meistens nicht so tief. Vielleicht eher Tür – und Angel- Gespräche. Ich glaube, so etwas braucht Regelmäßigkeit und Tiefe.“

Steffi: „Ja, aber dann muss auch was dabei raus kommen. Und vor allem nicht nur für den Chef, sondern auch für uns.“

Mona: „Und angstfrei muss es sein. Dass ich da nicht jedes mal mit Herzpochen reingehe. Ach, jetzt geht es mir nicht mehr so schlecht. Ob ich meinem Chef mal sagen kann, wie man diese Gespräche anders führen könnte?“

„Probiere es einfach aus. Wie gesagt, ich drücke Dir die Daumen. Du schafft das!“

Gibt es bei euch diese Art von Mitarbeitergesprächen? Habt ihr negative oder auch positive Erfahrungen gemacht? Was haltet ihr von folgender Idee?

Mein Vorschlag:

  • Mindestens jährlich stattfindenden Gespräche zwischen Mitarbeiter*innen und der Führungskraft heißen Entwicklungsgespräche.
  • Die Gespräche finden in einer ruhigen, konstruktiven und wohlwollenden Atmosphäre ab.
  • Es geht um Entwicklungen in der Vergangenheit, das aktuelle Geschehen und vor allem um eine Zukunftsperspektive.
  • Es geht nicht nur um Entwicklungen des betreffenden Mitarbeitenden sondern auch des Teams, der Leitung und der gesamten Organisation.
  • Zu diesen Entwicklungsgesprächen eignen sich bestimmte Fragen, die ich ich im Folgenden beispielhaft aufführe. Natürlich müssen und sollten nicht alle genannten Fragen gestellt werden. Es ist eine Auswahl zu treffen. Jeder Mitarbeitende kennt im Vorfeld diese Fragen.

In einem Beitrag schreibt Förster und Kreuz, dass Cirque du Soleil die Mitarbeiter-Gespräche abgeschafft hat. Es werden jetzt Talent-Dialoge ohne Leitung geführt. Dabei orientieren sich die Mitarbeitenden, die sich in regelmäßigen Abständen zum Dialog treffen, an folgende Fragen:

  • Was war mein individueller Beitrag und was habe ich möglicherweise darüber hinaus beigetragen?
  • Was war schwierig? Womit habe ich mich schwergetan?
  • Wie präsent war ich und was hat das bewirkt (für mich selbst und für die Leute, mit denen ich zusammenarbeite)?
  • Gibt es etwas, das ich aus diesem Zeitraum für mich mitnehme und auf das ich stärker in Zukunft fokussieren möchte?
  • Was sind unsere Prioritäten für die nächste Periode?

Und es gibt noch weitere Fragemöglichkeiten, die ich ebenfalls sehr wertvoll finde.

Hendrik Epe von Ideequadrat hat mich – wieder einmal – mit diesem Beitrag inspiriert, bei dem er sich auf 12 Fragen für geniale Mitarbeiter.innengespräche bezog.

  • Was motiviert dich?
  • Was ist dein größter Wunsch an mich als Chef / Führungskraft?
  • Wenn es eine Sache gibt, die du zukünftig unbedingt übernehmen möchtest, welche wäre das?
  • Wenn es eine Sache gibt, die du zukünftig keinesfalls mehr machen möchtest, welche wäre das?
  • Hast du Stärken, die ungenutzt bleiben? Wie könntest du sie einbringen?
  • Woran möchtest du bei dir selbst gerne arbeiten?
  • Was gefällt dir in der Organisation am besten?
  • Was fehlt dir in der Organisation am meisten?
  • Was lässt sich an deinem Arbeitsplatz konkret verbessern?
  • Was muss passieren, damit du noch lange für unser Unternehmen arbeitest?
  • Welche Maßnahme (egal welche) würdest du als erstes umsetzen, wenn du an meiner Stelle wärst?
  • Welche Frage sollte ich dir bei unserem nächsten Gespräch unbedingt stellen (wieder stellen)?

Hier werden Entwicklungen, nicht nur des Mitarbeitenden, deutlich. Aus so einem Gespräch können alle Beteiligten mit einem guten Gefühl herausgehen.

Und noch einen ganz revolutionären Vorschlag: Man darf den Vorgesetzten auch mal etwas sagen, das vielleicht Entwicklungen bei ihnen ermöglicht.

Um noch einmal auf das Foto zurückzukommen: Schafft Voraussetzungen, dass es gut läuft, dass man sich nicht mehr auf den Boden werfen muss, wenn der Chef kommt. Im Gegenteil: Wenn der Fokus auf Entwicklungsmöglichkeiten liegt, sollte die Begegnung sogar schön sein.

Wir haben solche Entwicklungsgespräche übrigens vor kurzem eingeführt. Viele Mitarbeitende stehen dieser Neuerung aufgeschlossen gegenüber. Die ersten Gespräche fanden in einer guten Atmosphäre statt. Und … wir sind auf Ideen gekommen.

Titelfoto: Christian Zepke

2 Kommentare zu „Mitarbeitergespräche adé

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  1. Sehr schöner Artikel zum Thema Mitarbeiter*innen Gespräche, ad’e. Das kollegiale Gespräch könnte genauso gut stattgefunden haben… Auch der Ansatz die Gespräche zur Entwicklung von beschäftigten Menschen, dem Team und der Organisation zu ermöglichen, ist großartig. So wird nicht ausschließlich individualisiert und das Unbehagen kann während des Gespräches verschwinden oder geringer werden. LG von Elke Overhage

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