Vom Manager zum Leader – und zurück!?

Steuerrad

Ist Euch auch schon aufgefallen, dass kaum noch von Management gesprochen wird? Es geht vor allem um Führung, die am besten noch agil ist, und um Leadership. Klar, es geht weiterhin auch um Wirtschaftlichkeit, um Steuerung und Organisation. Aber brauchen wir dafür Manager oder sind Leader nicht viel besser, weil es doch am wichtigsten ist, mit welcher Haltung die Führungskraft interagiert? Ich habe mich nie so wirklich als Manager gefühlt. Vor allem weil die Organisation, die ich leite, aus nur wenigen Mitarbeitenden besteht und ich das überheblich gefunden hätte. Irgendwann war es auch gar nicht mehr attraktiv für mich, Manager zu sein. Ich bin Sozialarbeiter. Nicht mehr und nicht weniger. Warum hat sich das so entwickelt?

Management in der Sozialen Arbeit

Ich habe in den 90er Jahren Sozialarbeit studiert. Zu der Zeit war es in der Sozialen Arbeit schon Thema, dass nicht nur geredet sondern auch gerechnet werden muss. Das hört sich böse an, ist aber nicht so gemeint. In der Tat wird die Unterstützung von Sozialarbeitenden meistens über das Wort erbracht. Und damals war es so, dass Sozialarbeitende meistens nicht so sehr darauf achteten, welche Kosten durch ihre Leistung entstanden sind. Man ging bei Gesetzgeber und Entgeltzahlern davon aus, dass Kosten explodieren würden und im sozialen Bereich sowie im Gesundheitsbereich bei steigenden Bedarfen nicht einfach weiter mit der Gießkanne Geld ausgeschüttet werden kann. Dieser Veränderungsdruck entstanden aber auch, weil Unterstützung teilweise unstrukturiert und nicht zielgerichtet erbracht wurde. Diese Diskussionen um Wirtschaftlichkeit und zielgerichtete Unterstützungsleistungen halten heute nach wie vor an.

Wollen und dürfen Mitarbeitende rechnen?

Es ist hoffentlich selbstverständlich, dass wirtschaftliches Denken und Soziale Arbeit zusammen gehören und Sozialarbeitende und andere Mitarbeitende grundsätzlich rechnen können. Wollen aber Mitarbeitende wirklich rechnen und dürfen sie es überhaupt? Was hat sich geändert, seit dem wir davon sprechen, uns und die Organisation zu managen? Rechnen Sozialarbeitende jetzt, weil sie auch Managende sind? Oder war das nur eine Welle? Ist das Rechnen doch den Managern und den wenigen Managerinnen in den oberen Etagen vorbehalten?

Seit einigen Jahren sprechen wir – über die soziale Arbeit hinaus – weniger von Management und mehr über Themen wie Leadership und Change. Diese Begriffe hätte man früher wohl unter „Management“ subsumiert. Selbst beim Changemanagement, bei dem es um die Gestaltung von Veränderung geht, wird das Wort Management heute lieber weggelassen. Warum bloß?

Ich möchte mit Euch noch einmal gedanklich in die 90er Jahre gehen. In meinem Studium gab es auch ein Seminar zum Sozialmanagement. Das habe ich gerne besucht, weil es ganz konkret darum ging, wie man soziale Einrichtungen organisiert und leitet, damit Kostenträger zufrieden sind und die betroffenen Menschen die bestmögliche Unterstützung erhalten.

Dieses Thema hat mich weiter beschäftigt, sodass ich dann etwa zehn Jahre später, also in den Nuller-Jahren, Sozialmanagement studierte. Dieser Studiengang war zu der Zeit relativ neu. Ich habe einiges gelernt. Zum Beispiel, dass Controlling wichtig ist und wie es umgesetzt werden kann. Oder dass wir als Sozialarbeitende von Marketing sprechen und unsere Leistung an Kund*innen und Stakeholder „verkaufen“ dürfen. Marketing im sozialen Bereich, das war eigentlich bis dahin undenkbar und manchmal noch heute ein bisschen anrüchig. Reden und rechnen – das ging jetzt zusammen.

Was alles zu managen ist

In den Nuller-Jahren bis deutlich in das nächste Jahrzehnt hinein, hatte das Management im sozialen Bereich Hochkonjunktur. Ich habe mich immer wieder auch darüber lustig gemacht. Nicht nur, dass es jetzt um Selbstmanagement und Zeitmanagement ging, was vorher einfach nur anders hieß. Es ließ sich jetzt wirklich alles managen. Und dann habe ich mich zum Beispiel mit dem Management by Objectives beschäftigt, aber auch schnell gemerkt, dass Zielvereinbarungen selten weiterführen.

In der Aufzählung dessen, was alles zu managen ist, hat mir das „Managment by walking around“ besonders gut gefallen. Es ging einfach darum, dass der Manager oder die Managerin (von ihr wurde aber fast nie gesprochen), aus dem Büro herauskommt und schaut, was an der Basis so los ist. Warum mir das so gut gefällt? Weil Managende, Leitende oder Leader ihrer Aufgabe nur erfüllen können, wenn sie mitbekommen, was die Menschen in der Organisation bewegt.

Wann hörte das mit dem Management eigentlich auf?

Es hörte ja fast auf. Natürlich gibt es immer noch Bücher, in dessen Titel der Begriff Management vorkommt. Aber die Zahl ist gefühlt verschwindend gering. Und wir lassen uns natürlich von diesen Wellen auch beeinflussen. Ich habe irgendwann aufgehört, ernsthaft oder mit ironischem Unterton von Management zu sprechen. Das Wort war einfach nicht mehr da. Und ich war – außer wenn es um Missmanagement geht – überrascht, wenn ich es noch einmal irgendwo gehört oder gelesen habe. Und jetzt will ich tatsächlich eine Lanze dafür brechen, dieses Wort nicht ganz abzuschaffen, sondern es mit Inhalt zu füllen.

Management und Selbstorganisation gehören zusammen

Wir sprechen immer mehr von Selbstorganisation oder Selbststeuerung, wenn wir meinen, dass Hierarchien abgebaut werden und Mitarbeitende und Teams selbstständig gestalten, Entscheidungen treffen und verantwortlich sind.

Um diese guten Gedanken und Konzepte aber wirklich umzusetzen, müssen Leitende, Mitarbeitende und Teams zum einen wissen, wofür sie verantwortlich sind. Es geht nämlich darum, das Große und Ganze zu kennen und dafür einzutreten. Und zum anderen müssen sie sich so gut strukturieren und organisieren aber auch reflektiert und engagiert sein, dass sie Verantwortung schon im Kleinen übernehmen können. Und das alles hat doch etwas mit Management und auch mit Selbstmanagement zu tun.

Und wenn wir es irgendwann beherrschen, uns selbst und das Team zu führen und zu entwickeln, um immer mehr auf Hierarchien und Anweisungen verzichten zu können, sind wir alle Managende und Leader und leben mit großer Begeisterung Selbstorganisation. Versprochen. 🙂

Titelfoto: Christian Zepke

2 Kommentare zu „Vom Manager zum Leader – und zurück!?

Gib deinen ab

  1. Ja, die Mitarbeitenden müssen wissen, wofür sie verantwortlich sind. Und die Verantwortung auch nehmen. Das kommt im nächsten Satz in einer- wie ich finde sehr guten Formulierung- zur Sprache: sie müssen das Große und Ganze kennen und dafür eintreten.
    Ich bin aufgrund meiner Erfahrungen nicht immer so optimistisch, daß Mitarbeitende das auch tun.
    Das ist keine Gegenrede. Mich treibt heute die Neugier auf das, was für das Gelingen erforderlich ist.
    Aus der Rückschau meiner Führungserfahrung brauchen Führung und Mitarbeitende eine offene Kommunikation darüber und über die Grenzen der jeweils eigenen Position.

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