Über den Kann-Nicht-Graben

Graben in einem herbstlichen Wald

Kennst Du den Kann-Nicht-Graben? Du gehst einen Weg und siehst einen tiefen Graben und du würdest gerne auf die andere Seite. Nur wie? Du läufst den Graben entlang. Vielleicht kommt mal eine Brücke. Vielleicht kommt mal eine Stelle, an dem Du den Graben überspringen kannst. Du läufst und läufst und dann schleicht sich etwas in Deine Gedanken hinein, was Dir sagt: Es wird nichts. Es gibt keine Brücke. Es wird keine Stelle kommen, an dem man den Graben überqueren kann. Nie. Der Graben wird auch nie so schmal oder niedrig, dass man ihn zuschütten könnte. Nein. Es geht nicht. Du kannst es nicht.

Wer von Euch kennt solche Sätze nicht?

In dem Podcast mit Alexandra Schollmeier erzähle ich davon, welche Wege wir in unserer Organisation gehen, welche Fehler wir machen und welche Gräben vor uns aufgetaucht sind. Hört mal rein! Ich glaube, dass man Gräben zuschütten oder Brücken darüber bauen kann. Zumindest manchmal. Auch wenn es in der Vergangenheit nicht geklappt hat, jetzt kann es gehen. Probieren wir es einfach. Riskieren wir nasse Füße! 🙂

Ja, ich bin für‘s Tun. Es geht aber nicht um ein rastloses und unüberlegtes Tun. Ich bin auch für‘s Innehalten. Wo stehe ich hier eigentlich? Wie ist mein Untergrund, wie tief und breit ist der Graben und wie sieht mein Umfeld aus? Welche Möglichkeiten habe ich und wen ich könnte ich fragen, ober er mich dabei unterstützt, auf die andere Seite zu kommen?

Es gibt sehr verschiedene Formen von Bestandsaufnahmen. Eine mögliche Form in Teams und Organisationen ist die Retrospektive. Das Team überlegt zum Beispiel, was bisher gut gelaufen ist und verstärkt werden sollte und was nicht gut war und es besser machen will. Wo stehen wir gerade zum Beispiel in Bezug auf Selbstorganisation? Welche Entscheidungen kommen aus den Teams und was entscheidet die Führungskraft? Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie ermöglichen wir es, dass jeder Verantwortung für einen Bereich übernehmen kann? Wir schauen darauf, wie es gerade ist, um dann weiterzugehen.

Bestandsaufnahmen gibt es auch, wenn wir bei dem was wir tun, auf unseren Körper achten. Ist der Bauch gerade angespannt? Wie ausgeruht bin ich? Wie tief ist mein Atem? Schießen mir die Gedanken quer im Kopf herum oder kann ich sie vielleicht auch mal loslassen?

Mich begeistert das Lied von Julia Engelmann mit dem Titel „Bestandsaufnahme“. Der Text ist sehr ehrlich und geradezu erfrischend. Das Lied regt mich zum Nachdenken an. Ja, es gibt einiges was ich nicht kann. Es gibt etwas, was ich kann, aber lieber nicht können würde. Und es gibt etwas dass ich kann und mich weiterbringt. Etwas, dass mich glücklich und zufrieden macht.

Haltet mit mir inne. Hören wir in uns hinein und schauen wir uns um. Ja, da gibt es den Graben. Aber wir werden jetzt nicht hektisch hin und her laufen und den Übergang suchen, um auf die andere Seite zu kommen. Wir gehen es überlegt an, mit allen Sinnen und allem, was uns zur Verfügung steht. Scheitern ist inbegriffen. Und auch der Erfolg.

Titelfoto: Christian Zepke

Ein Kommentar zu „Über den Kann-Nicht-Graben

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