Auf den Schultern

Mann trägt Kind auf den Schultern und zeigt ihm etwas. "Sieh mal."

Ich habe mir vorgenommen, meine Tätigkeiten beim Bloggen und vor allem in den Sozialen Medien etwas zu kanalisieren und zu konzentrieren. Vielleicht lese ich statt zu surfen einfach mal ein Buch zuende. Ich habe vor mich in Sachen Organisationsentwicklung weiterzubilden. Ob ich von meinen Entwicklungs- und Bildungserfahrungen schreibe?

Und was würde ich schreiben, wenn ich vorerst nur noch einen Artikel schreiben wollte? Das frage ich mich. Der Artikel soll so wichtig sein, dass ich nicht mehr lange damit warten will. … Ja, da gibt es ein Thema.

Ich habe das Gefühl, dass wir häufig auf den Schultern von Eltern, Lehrern, Führungskräften oder auch anderen Menschen sitzen und manchmal auch weiter blicken können als sie.

Das wäre erst einmal meine These. Und ich spüre schon Euren Widerspruch. „Auf den Schultern meines Chefs will niemand sitzen.“ „Meine Lehrerin hat mir nichts Wichtiges beigebracht.“ „Ich habe durch eigenen Antrieb gelernt und mich entwickelt.“ Solche und viele weitere Sätze stelle ich mir vor. Aber ist es wirklich so? Überlegt doch mal, welchen Menschen ihr im Leben begegnet seid und wer Euch in irgendeiner Form nachhaltig bereichert hat. Irgendjemand wird Euch einfallen.

Wer hat uns nachhaltig bereichert?

Was verstehen wir unter nachhaltiger Bereicherung? Könnte der Auslöser von etwas Positivem auch ein Chef sein, mit dem Ihr Euch reiben könnt oder der Euch seine Schwächen offenbart? Sind es vielleicht Eltern, die Euch versorgt haben und die immer noch da sind und Interesse zeigen? Ist es eine Lehrerin, die sich besonders für Euch engagiert hat? Können es Freunde sein, die etwas Besonderes bei Euch ausgelöst oder die Euch in Not geholfen haben? Euch werden viele andere Beispiele einfallen, wenn ihr darüber nachdenkt. Manches vergessen wir einfach nicht. „Weißt Du noch, wie sich … für mich eingesetzt hat?“ „Damals, wäre … nicht gewesen. Ich hätte es nicht überstanden.“

Manchmal merken wir es erst später, dass wir auf Schultern gesessen haben. Wir wollen vielleicht lieber allein zurecht kommen oder finden die Person, die zu den Schultern gehört, gerade gar nicht so spannend. Manchmal wird uns erst im Nachhinein klar, dass wir durch diese Menschen weiter schauen konnten. Das uns etwas ermöglicht worden ist und wir uns entwickeln konnten.

Ich denke darüber nach, wie wir uns fühlen, wenn jemand auf unserer Schulter sitzt und wie es ist, wenn wir auf einer Schulter sitzen. Ist nicht immer der besser dran, der weiter schauen kann?

Der unten ist, kann zwar nicht so weit schauen, aber er kann das gute Gefühl haben, für jemand da zu sein. Er kann dabei helfen, Erfahrungen zu gewinnen. Er kann sich als Möglichmacher fühlen. Das Gefühl stellt sich übrigens eher ein, wenn der getragene Mensch von dem berichtet, was er sieht.

Kann denn der Mensch mit der tragenden Rolle dem Menschen auf seinen Schultern gönnen, dass dieser weiter schauen kann? Kann er es neidlos anerkennen, dass er selbst lange nicht alles sieht und er engere Grenzen hat?

Und sieht der Mensch, der oben sitzt, wie verwurzelt der Mensch unter ihm ist, sodass dieser nicht umkippt? Sieht er, wie viel Kraft der oder die Tragende hat und anwendet?

Manchmal sind wir Tragende und manchmal Getragene.

Manchmal sind wir Tragende und manchmal Getragene. Und manchmal können wir unsere Rolle auch wechseln. Wichtig ist es vielleicht, dass wir wissen, in welcher Rolle wir gerade sind und diese bewusst ausfüllen. Und dass wir gut mit der Partnerin oder dem Partner in der anderen Rolle kommunizieren.

Welche Rolle nimmst Du gerade ein? Und welche Rolle hast Du in Deiner Organisation? Hat die Führungskraft immer die Rolle des Tragenden? Und füllt sie diese Rolle gut aus? Wer wird in Eurer Organisation getragen?

Sprecht ihr darüber? Versucht es doch einfach mal.

Diesen Artikel widme ich meinen Eltern, die mich lange Zeit getragen haben, ohne dass ich es gemerkt und anerkannt habe. Ich danke Euch.

Titelfoto: Christian Zepke

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