Mut zur Lücke

Oder warum es wichtig ist, bei der Selbstorganisation geduldig zu sein.

Ein großes Schild, auf dem das Wort "Geduld" steht.

Haben wir uns nicht alle schon einmal in der Schulzeit gesagt, dass wir Mut zur Lücke brauchen? Weil wir zum Beispiel den ganzen Stoff vor der Klausur nicht mehr lernen konnten und uns mit dem Spruch beruhigt haben? Und meistens ist es ja auch gut gegangen.

Ich meine hier allerdings eine etwas andere Art von Lücke. Ich meine die Lücke, die wir in Organisationen brauchen, wenn es um Entwicklung geht. Und ich meine insbesondere die Organisationen, die sich auf den Weg gemacht haben, Mitarbeitende immer mehr zu Gestaltenden werden zu lassen. Ja, Organisationen sind jetzt häufiger auf dem Weg zur Selbstorganisation oder, wie es Claudia Schröder und Bernd Oesterreich treffend nennen, auf dem Weg zur kollegialen Führung.

Führung ist zu wichtig, um sie nur Führungskräften zu überlassen.

Bernd Oesterreich

Organisationen sind verzweifelt, weil sie keine Fachkräfte mehr finden und Mitarbeitende haben, die unzufrieden sind oder gar krank werden. Viele Organisationen haben auf aktuelle Herausforderungen keine Antworten mehr und müssen sich etwas einfallen lassen. Sollte es denn wirklich möglich sein, dass Führung auch und gerade an der Basis stattfindet und dass dann alles besser wird?

Nicht nur Mitglieder der Generation Y sondern auch Mitarbeitende anderer Generationen wollen sich immer mehr entfalten und mitgestalten und eine gute Balance zwischen allen Lebensbereichen haben. Wie sollen nun Organisationen darauf reagieren, damit sie überleben?

Gold in New Work und Agile Country

Organisationen und ihre Scouts suchen das schnelle Glück und schürfen Gold in New Work oder in Agile Country. Diese Orte wimmeln jetzt nur so vor Goldsuchern. Alle versuchen, möglichst schnell und vor den anderen an den verheißenen Reichtum zu kommen. Immerhin gibt es mittlerweile zahlreiche ausgetüftelte Werkzeuge, um den Reichtum zu finden und zu heben.

Ich habe von New Workern gehört, die wirklich viel Goldstaub gefunden haben. Sie sind zufrieden in ihre Organisationen zurückgekehrt und habe den Goldstaub verteilt, der aber ganz schnell in der Organisation versickert ist.

Wie konnte das passieren? Eigentlich hätte sich der Reichtum doch vermehren sollen. Vermutlich hätte einiges anders laufen müssen. Vielleicht waren die Organisationen zu schnell und zu ungeduldig und sind unüberlegt dem Goldsucher-Strom gefolgt?

Und jetzt komme ich wieder zu dem Mut, den wir brauchen, um Lücken zu lassen. Jeder von uns braucht diesen Mut und genauso die Organisationen, in denen wir arbeiten.

Warum sollten wir Lücken lassen?

  • Wir erkennen das an, was schon da ist. Höchstwahrscheinlich ist bereits etwas da, was uns in unserem Veränderungsprozess weiterbringt.
  • Wir fangen langsam und überlegt an. Ideen sind willkommen und werden von allen darauf hin überprüft, ob sie zur Tat werden können.
  • Wir gehen Schritt für Schritt vor. Umwege und Stehenbleiben sind erlaubt und erwünscht. Die Organisation stellt sich gut auf, sammelt Erfahrenes ein und macht es für alle Mitglieder der Organisation zugänglich. Hilfreich dazu ist das Konzept der Lernbegleitung in der Organisation und in den Teams (wozu ich später nochmal etwas schreiben werde).
  • Wir teilen unsere Schätze auch mit Kundinnen und Kunden sowie anderen Anspruchsgruppen.

Braucht dieses Vorgehen Mut?

Ja, den Mut einfach anzufangen und zu experimentieren. Den Mut, dabei zu bleiben, wenn es mal nicht so gut läuft. Den Mut, alte Erkenntnisse hinter sich zu lassen und Platz für neue zu machen. Für manche bedeutet es großen Mut, nur ein wenig über den Tellerrand zu schauen. Und es braucht Einsicht. Dass es nicht um den schnellen Erfolg geht sondern um nachhaltige Veränderungen und Verbesserungen in den Teams und in der gesamten Organisation.

Manchmal sehen wir das Gold nicht, obwohl es schon vor uns liegt. Und manchmal sehen wir alles glänzen und funkeln und wissen gar nicht mehr, was echt ist und wo es lang geht.

Dann ist es wichtig, dass wir einfach stehen bleiben und uns die Augen reiben. Wir lassen mutig eine Lücke …… und gehen dann beherzt weiter.

Titelfoto: Christian Zepke

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