Ich will Reichweite !?!

Blauer Himmel mit Wolken, im unteren Teil sieht man den Anasatz eines Getreidefeldes.

Ich mag Twitter. Twitter ist wie das Lesen von Überschriften. Es wird kurz etwas geäußert und zusammengefasst. Wenn ich Interesse habe, kann ich den anhängenden Artikel lesen. Ich habe bei Twitter meine Lieblings-Menschen, denen ich folge und die mir folgen. Und wir folgen uns nicht nur, sondern wir bemerken uns. Wir liken, kommentieren und ergänzen uns. Wir schicken uns ein Wort oder ein Gefühl und zeigen Interesse. Und auch LinkedIn mag ich. Auf beiden Kanälen habe ich nur eine begrenzte Anzahl von Followern. Immerhin gibt es einige Menschen, die zufällig oder kontinuierlich daran interessiert sind, was ich zu sagen habe und veröffentliche. Dafür bin ich dankbar.

Ich schreibe seit einem Jahr recht regelmäßig Blog-Artikel. Die in den Artikeln formulierten Gedanken und Erfahrungen gebe ich gerne an interessierte Menschen weiter. Dazu verteile ich sie dann in den Social-Media-Kanälen. Und manchmal wird der Artikel gefunden und bekommt ein paar Likes. Und manchmal versinkt er direkt in der Timeline. Verständlicherweise verschwinden diese Informationen schnell wieder. Wir werden alle mit Informationen überschüttet und müssen, ob wir wollen oder nicht, auswählen. Das Scrollen, um untere Texte zu lesen, erscheint mir oft zu mühsam. Und so wird es anderen auch gehen.

Lohnt sich das denn alles? Manchmal bekomme ich nur ganz wenige Likes und noch weniger Kommentierungen und Rückmeldungen. Manchmal werde ich gefunden und eine größere Anzahl an Menschen zeigt Wohlwollen und Interesse. Ist der Aufwand den Nutzen wert? Ich freue mich über die Rückmeldungen. Und wenn es ein paar mehr Wortmeldungen sind, freut es mich, dass meine ausgesendeten Worte mehrere Empfänger findet.

Beschweren darf ich mich allerdings nicht. Wenn ich Reichweite möchte, muss ich mich auch mehr betätigen. Ich sollte selber Rückmeldungen geben. Ja, es gibt wirklich viele Anmerkungen, Fragen und Artikel, die mich interessieren. Ich habe jedoch in der letzten Zeit auch gemerkt, wie mich das überfordert. Es gibt schließlich auch noch das andere Leben. Das Leben vor Ort. Das LebenLeben. Und um mich nicht zu überfordern, habe ich mich bereits vor Monaten entschieden, meine Twitter- und LinkedIn-App auf dem Smartphone zu löschen. Oh, das war nicht so einfach. Und noch heute denke ich, wie schön es wäre, unterwegs mal kurz etwas zu kommentieren oder einen kleinen Text oder ein Foto zu posten.

Dass ich von unterwegs zum Beispiel zwischen der Arbeit, in Pausen, auf dem Parkplatz und beim Essen nicht mehr lese und schreibe, genieße ich auch. Ich kann mich einfach auf das konzentrieren, was ich gerade mache. Manchmal schlechter, manchmal besser.

Worauf es ankommt

Lese und kommentiere ich weniger, werde ich weniger gelesen und kommentiert. So ist das meistens. Kann ich das ändern? Muss ich das überhaupt ändern? Da ist eine Stimme in mir, die immer lauter ruft. Die Stimme sagt: „Es kommt nicht darauf an, wie viele Menschen etwas von Dir lesen und wie oft sie Rückmeldungen geben. Natürlich ist es schön, wenn Du ein Feedback oder eine Bestätigung bekommst. Du darfst es annehmen. Du kannst Dich freuen. Nur: Weder Dein Erfolg und erst recht nicht Dein Leben hängt davon ab.“

Qualität, nicht Quantität

Es geht um Qualität, nicht um Quantität. Es hilft mir nicht, mehrere Artikel an einem Tag zu lesen. Es hilft nicht, die Timeline zu sehr zu durchforsten, weil ich die Informationen gar nicht komplett verarbeiten kann. Es geht darum, etwas gemeinsam zu entwickeln. Und manchmal kann es nur ein Satz sein, der mich zum Nachdenken und Weiterdenken anregt.

Verbindung, auch online

Es geht um Verbindung. Der Mensch, der auf mich und meinen Text aufmerksam geworden ist, der mich versteht, ist mir zumindest ein Moment lang nahe und bestätigt mich in meinem Denken und bringt mich auf neue Ideen. Können wir uns online wirklich nahe sein? Verstehen wir uns tatsächlich? Ich glaube ja. Ich kann dem Menschen aufgrund der Distanz natürlich nicht so nahe sein, als wenn er mir im Büro oder im Wohnzimmer gegenüber sitzt und wir eine längere Zeit miteinander verbringen. Über die kurze und vielleicht manchmal distanzierte Nähe ist auch schon intensivere Nähe geworden. Aus kurzen Kontakten entstanden interessante und bereichernde Telefonate oder Video-Calls.

Gegenseitige Bereicherung

Ja, es geht um gegenseitige Bereicherung. Manchmal bekommen wir neue Informationen. Manchmal sind es andere Sicht- und Herangehensweisen, die mich weiter bringen und Neues entstehen lassen. Und sei es, dass das Neue erst einmal nur in meinem Kopf stattfindet. Und vielleicht auch in meinem Bauch und meinem Herz. Und dann freue ich mich, wenn meine Worte mein Gegenüber ein ganz klein wenig weiterbringt.

Ich will Reichweite !!! Will ich denn wirklich Reichweite oder ist es was anderes, was mir und anderen gut tut? Eigentlich brauche ich keine Reichweite. Ich brauche … WEITE. Eine Kollegin meiner Lerngruppe hat vor einiger Zeit einen Satz in die Runde gesagt, der mich sehr begeistert.

Was kann ich dafür tun, dass ich weit bleibe?

Daniela, Lerngruppe

Und Ihr? Braucht Ihr mehr Reichweite oder ist eher die Weite, die Ihr haben wollt? Wie könnt ihr weit werden? Was tut ihr dafür, dass ihr weit bleibt?

Und zum Abschluss lade ich Euch ein, Reflexions-Fragen, die bei Euch auftauchen, hier zu teilen. Eine Freundin, die viele meiner Artikel vor der Veröffentlichung liest und mir ein Feedback gibt, stellt sich folgende Fragen:

  • Gibt mir Weite Freiheit und öffnet mir Türen?
  • Verlaufe ich mich in der Weite?
  • Kann ich zu viel Weite haben? Gibt mir ein Korsett Halt oder engt es mich ein?
  • Will ich Spuren hinterlassen? Wie wirksam will ich sein?

Macht gerne mit. 🙂

Titelfoto: Christian Zepke

8 Kommentare zu „Ich will Reichweite !?!

Gib deinen ab

  1. Dankeschön 😊 Christian für das Teilhaben an deinen Gedanken.
    Ich ahnte bei dem Header das du nicht wirklich Reichweite suchst 😄 Fand aber spannend, das ich bei jeder Frage im Beitrag sofort antworten wollte, aber viele davon hast du ja selber beantwortet.

    Das Wortspiel mit der Weite finde ich schön 😊
    Ich weiß nicht ganz genau was du damit meinst, aber ich suche persönlich Themen aus außerhalb meiner Blase, welche meinen Blickwinkel verändern.
    Aktuell ist es das Thema digitale Teilhabe, wie lesen Menschen mit screenreader SoMe Beiträge, warum braucht es bei Bildern alternative Texte, wie sollte eine Webseite gestaltet sein, das sie auch blinde lesen können.

    Gefällt mir

    1. Hi Sebastian, schön, dass Dir direkt was einfiel. Es fallen uns ja bestenfalls immer unsere Themen ein, die wir damit verbinden. Für mich ist die „Weite“ noch nicht zuende gedacht. Es ist irgendwas im Rahmen von Spiritualität und Haltung. Hauptsache, wir kommen weiter auf Gedanken. 🙂

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  2. Du hast verführt, Christian, mit der Überschrift von der Reichweite… die Wendung zur Weite, da gehe ich gerne mit!
    Weite geschieht für mich, wenn sich etwas (er-)öffnet! Ich verbinde das für mich gerade mit dem Gedanken, wie wir zu anderen gesellschaftlichen Vorstellungen kommen und wir uns aus der gewinnorientierten Verwaltung der Welt (nicht von mir) öffnen können.

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  3. Lieber Christian,
    vielen Dank für die kritische Betrachtung der modernen, dynamisierten Informations- und Mitteilungslogistik! Du hast mich inspiriert, umgehend die Xing-App von meinem Smartphone zu löschen. Sie war als einzige übrig, nachdem in den letzten Jahren Facebook, Twitter, Instagram und Whatsapp schon im Papierkorb gelandet waren.
    Seit die Welt von Influencern und Speakern mit unendlichem Mitteilungsbedürfnis geflutet wird, wähle ich sehr genau aus, was ich zu lesen/hören beginne und wo ich bis zum Ende durchhalte, weil es gut ist. Aber es fällt trotzdem schwer, nicht der Volksverdummung durch Über- und Desinformation anheim zu fallen.
    Reichweite wird überschätzt, Weite manchmal auch. Daher mag ich die kleinen Artikel und Mitteilungen von Menschen, die ich kenne und (ein-)schätzen kann, die um mich sind und denen ich im wahren LebenLeben begegnen kann.
    Herzliche Grüße
    Thomas

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    1. Hallo Thomas, vielen Dank für Deine Rückmeldungen. Ja, Reichweite wird überschätzt, wobei ich es auch mag, wenn ich Menschen finde, mit denen ich mich austauschen, Impulse bekomme und etwas von mir einbringen kann. Dass muss aber nicht immer die große weite Welt sein. Eine Freundin in der Nähe, die Kollegin, in der Arbeitsgruppe usw. Wie Du schreibst, ein-schätzbare Menschen.

      Dass die Weite überschätzt wird, glaube ich nicht. Ich habe auch an den Reaktionen gemerkt, dass vielen etwas dazu einfällt, was mir gar nicht aufgefallen ist. 🙂 Ich verbinde mit dem Begriff aufmerksam sein, hinhören ohne vorschnell zu beurteilen (Hinfühlen lasse ich jetzt mal weg, damit es nicht esoterisch klingt :-), das Miteinander pflegen. Und das kann bei mir jedenfalls noch besser werden. Schöne Grüße zurück. Und Danke für die Anregungen. Christian

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