Wie geht es uns heute?

Handgeschriebener Text auf einem Plakat: Leave on one behind.

Es kommt ein Arzt in ein Krankenzimmer und fragt die Patientin: „Wie geht es uns denn heute?“ Es gibt jedoch kein UNS. Weil es dem Arzt gerade wahrscheinlich relativ gut geht und der Patientin wahrscheinlich nicht so gut. Jedenfalls leben sie in unterschiedlichen Welten.

Wie geht es uns in dieser Pandemie-Zeit?

Auch unterschiedlich. Einigen geht es recht gut. Anderen gar nicht. Und bei vielen ist es mal so, mal so.

Ich war vor zwei Tagen bei meiner Frisörin. Den Termin hatte ich schon vor einigen Wochen ausgemacht. Wenn man sich die Haare schneiden lassen will, ist es derzeit nötig, einen negativen Corona-Test vorzulegen.

„Booah.“ Ich stöhnte schon Stunden vor dem Frisör-Termin leise vor mich hin. Jetzt auch das noch. Bei der Apotheke in der Nachbarschaft, die solche Schnelltests anbietet, stehen mehrere Menschen in einer Schlange vor der Tür. Soll ich mir wirklich so viel Zeit nehmen oder den Termin vielleicht besser verschieben?

Ich habe an meine Frisörin gedacht und dass sie Kundinnen und Kunden braucht. Ich war dann noch in einem Testzentrum, wo es schneller ging …. und war negativ. Alles gut. Ich kam am späten Nachmittag bei meiner Frisörin an. Sie saß in einem Stuhl und schaute nach draußen.

Still. Mit aufrechter Haltung.

Als ich ihr sagte, dass ich die Mühe des Tests für sie in Kauf genommen habe, lächelte sie … nicht. Ich hätte gerne ein Lächeln gesehen. Es kam nicht. Sie sagte, ich wäre heute der erste Kunde.

Meine Frisörin erzählte mir letztens, sie habe während der Zeit, in der Frisörläden ganz schließen mussten, zwei Monate in der Verpackung gearbeitet. Ich schaute sie damals ungläubig an. Haben Sie denn keine Nothilfe bekommen, fragte ich. Die war noch nicht da. Und sie musste die wichtigen Ausgaben abdecken. Sie sagte mir das ohne Scham. Feine und adrette Frau, um die 50, unlängst Oma geworden, geht in die Fabrik und sorgt für ihr tägliches Brot.

Wie ungerecht das alles ist, dachte ich. Und ging weiter meiner Arbeit nach.

Lassen wir uns nicht allein!

Schauen wir uns um, auch wenn wir gerade erschöpft sind. Schenken wir den anderen ein Lächeln und hören ihnen zu. Vielleicht trauern wir mit ihnen. Versuchen wir uns zu verstehen und unterstützen uns, wenn es eben geht.

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